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Foto: Lukas Beck
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Wir möchten ein großes musikalisches Lagerfeuer entzünden


Ende Juli wird der Leobener Hauptplatz drei Tage lang zur Open-Air-Bühne. Den Auftakt macht am 25. Juli Jan Delay, der für sein einziges Österreich-Konzert mit Band und Jubiläumstour nach Leoben kommt. Einen Tag später folgt das große 80er-Open-Air mit Village People (YMCA), Boney M. (Daddy Cool) und The Weather Girls (It’s Raining Men). Am dritten Abend feiert Thomas Stipsits mit kompletter Band sein großes Heimspiel. Im Interview plaudert der Obersteirer mit uns über Austropop, René Benko und die Kunst der Entschleunigung.

 StipsitsBand 6306 lukasbeckThomas Stipsits und Band geben
ein erstes Heimspiel in Leoben. (Foto: Lukas Beck)
Dass Thomas Stipsits einmal auf dem Hauptplatz seiner Heimatstadt spielen würde, hätte er sich früher selbst nicht gedacht. Als ehemaliger Schüler des BORG Eisenerz trägt Stipsits die Region bis heute in sich. „Eisenerz wird immer ein Teil von mir sein. Früher, wenn man in der Schule entschieden hat, dass man eine Stunde mal ausfallen lässt, dann sind wir kurz zum Leopoldsteiner See gefahren. Gerade in Leoben, in Judendorf, wo ich aufgewachsen bin, gibt es so viele Plätze, die immer noch Kindheit für mich sind. Sicher hat sich einiges geändert, aber viele Plätze riechen noch wie damals.“

LBN: Thomas, dein Herz schlägt stark für den Austropop, speziell für die Lieder von Georg Danzer. Wenn das Leben ein Nachtzug wäre und Georg Danzer der Mann, der im Speisewagen noch Bier ausschenkt: Bei welcher Station gehst du zu ihm?
Thomas Stipsits: Wenn ich die Möglichkeit hätte, dann würde ich bei jeder Station neben ihm sitzen wollen. Ich hatte ja das große Glück, einmal bei ihm im Vorprogramm spielen zu dürfen, und war lange Zeit wirklich Danzer-Groupie. Ich hab ihn auch interviewen dürfen für den Lokalsender „Radio Grün Weiß“, er hat sich damals über eine Stunde für mich Zeit genommen. Ich hab das Interview noch irgendwo auf Musikkassette. Ein wirklich interessanter und intelligenter Mensch.

Welcher Danzer-Song hat dich durch Nächte getragen, in denen Applaus plötzlich ganz weit weg war?
Ich bin damals in der Pubertät auf Georg Danzer aufmerksam geworden. Das war meine Sturm-und-Drang-Zeit und da haben mich die sozialkritischen Inhalte, das Auflehnen gegen die Obrigkeit, total abgeholt. Jetzt, wo ich älter bin und selbst Kinder habe, gefallen mir auch seine ruhigeren Lieder sehr gut. Ein Lied wie „Nur a klana Bua im Winter“ berührt mich heute und gehört mittlerweile zu meinen Lieblingsliedern. Oder „… und der Himmel kommt unter die Räder“ – das hab ich mit 16 Jahren noch nicht verstanden. Damals hab ich die progressiven Protestsongs wie „Ich bin dagegen“ oder „Der alte Wessely“ gehört. Mittlerweile reflektiere ich mein eigenes Leben eher zu „Lang is’ her“.

Worin liegt für dich die starke Emotion im Austropop?
Ich glaube, es liegt an der Identifikation. Georg Danzer hat gesagt, er schreibt gerne Lieder in der Sprache, in der er träumt. Der Dialekt ist immer näher am Herzen. Ich hab das sogar in Griechenland in unserem Lokal erlebt: Im richtigen Moment mit der Gitarre in der Hand eine Austropop-Nummer singen – da geht den Menschen das Herz auf. Lady Gaga stinkt am Lagerfeuer gegen STS sowas von ab.

Dein Film Griechenland erzählt von einem Mann, der sich aus den Erwartungen seiner Umgebung befreit und zu sich selbst findet. Wie viel Thomas Stipsits steckt in Johannes?
Natürlich steckt einiges von mir in Johannes. Zum Beispiel, dass man es nicht allen recht machen kann oder dass man lernen muss, „Nein“ zu sagen. Das kann Johannes gar nicht. Es kann nicht jedem gefallen, was man macht. Das muss auch ich teilweise immer noch lernen. Wenn von 100 Zuschauern einer nicht lacht, dann hat mich der eine zum Beispiel viel zu lange beschäftigt.

Du spielst nun René Benko im Dokudrama „Benko – Size does matter“. Gibt es etwas an seiner Persönlichkeit, das dich fasziniert?
Benko war eine große Herausforderung und ich habe es sehr gerne gemacht. Benko hatte sicherlich großes Charisma – ohne ihn jetzt verteidigen zu wollen. Mich interessiert: Wie wird jemand so, wie er ist? Wo sind die menschlichen Züge? Ich finde es faszinierend, dass er so viele Großinvestoren und erfahrene Leute von sich überzeugen konnte. Ich bin Raymond Ley, dem Regisseur, sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe.

Spaziergänge sind handyfreie Zone für dich, du machst autogenes Training, lebst teilweise auf Karpathos und braust dein eigenes Bier. Wie wichtig ist Entschleunigung für dich geworden?
Entschleunigung ist das Um und Auf. Ich habe auch gelernt, Dinge zu verschieben. Wenn man ein Publikum hat, entsteht natürlich eine gewisse Erwartung und ein Leistungsdruck. Aber ich habe mittlerweile gelernt, dass ich auch Pausen machen darf.

Am 27. Juli spielst du in Leoben am Hauptplatz. Was erwartet das Publikum?
Es freut mich sehr, dass Lukas Fendrich als Vor-Act auftreten wird. Und unser Programm wird natürlich sehr Danzer-lastig sein. Schließlich hätte Georg heuer seinen 80. Geburtstag gefeiert. Da ich mit Georgs Manager „Blacky“ selbst lange auf Tour war, kann ich viele Geschichten erzählen, gerade zur Entstehung der einzelnen Songs. Und eigene Lieder werden natürlich auch dabei sein. Wir möchten an diesem Abend ein großes musikalisches Lagerfeuer entzünden und laden alle ein, dabei zu sein. ◻

Interview: Christian König

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