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| Menschen

LBN-Talk: Lydia Prenner-Kasper


Lydia Prenner-Kasper kommt mit ihrem Programm „Haltbar-MILF“ am 6. März, 19:30 Uhr ins Kulturhaus Liezen. Anlässlich ihres Auftritts in der Bezirkshauptstadt rund um den Weltfrauentag haben wir im Vorfeld mit ihr gesprochen.

LBN: Am 8. März wird weltweit der Frauentag gefeiert – ist das für dich ein Grund für Champagner-Laune oder fühlt es sich eher wie ein Revolutions-Restalkohol an?
Lydia Prenner-Kasper: Ich bin recht positiv, aber bezüglich des Frauentages hätten wir allen Grund, uns zu betrinken … nämlich, um zu vergessen, dass sich einiges wieder in die Steinzeit bewegt. Saufen hilft aber auch nicht, wenn rückwärtsgerichtete Kräfte wieder auf den Plan treten und über Frauenkörper und -leben urteilen und bestimmen wollen. Da muss man sich mit klarem Kopf entschlossen dagegenstellen. Aber es strengt schon an, Neandertalern die Basics zu erklären.

Haben es Frauen deiner Meinung nach schwerer, ins Kabarett zu starten?
Sagen wir mal so … ohne Humor wär‘s deutlich schwerer. Aber die Dinosaurier, die sich uns vor 15 Jahren noch in den Weg gestellt haben, sterben langsam aus. Jetzt haben dann die meisten Fossilien den Urknall gehört.

Dein neues Programm trägt den unterhaltsamen Titel „Haltbar-MILF“: Wann hast du gemerkt, dass „rattenscharf sein“ weniger ein Zustand als vielmehr eine bewusste Lebensentscheidung ist?
Zum Glück recht bald. Die größte Freiheit entsteht doch dann, wenn man beginnt, das zu tun, was einem selbst gefällt und aufhört, allen anderen gefallen zu wollen. Dann zieht man nämlich automatisch jene Menschen an, die Herz und Hirn haben und einem auch gut tun.

Was muss in einem Menschen drin sein, damit es ihn auf die Bühne zieht?
Bei nahezu allen Bühnenmenschen die ich kenne, ist es immer das große innere Anliegen, Schieflagen oder Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und gemeinsam mit dem Publikum im Idealfall etwas Schönes daraus zu machen.

Ist Humor für dich Lebensphilosophie oder mehr eine elegante Form, der Welt deine Meinung zu sagen? Und auf wen oder was zielst du am liebsten mit einem Witz?
Humor ist mein Nummer-1-Mittel, um mit allen Lebenslagen umzugehen. Und mein absolutes Lieblingsziel ist der Missstand. Wo ein (scheinbares) Machtgefälle dafür sorgt, dass Menschen von oben herab behandelt werden, dort ist die Pointe am besten aufgehoben.

Emanzipation hat eine lange Reise hinter sich. Wo stehen wir da deiner Meinung nach heute?
An jenem Punkt, wo hoffentlich immer mehr Menschen beginnen zu verstehen, dass Gleichstellung alle entlastet und sie sich deshalb auch entsprechend dafür engagieren. Familiengründung, Care-Arbeit, Karriere, Selbstbestimmung usw. haben kein Geschlecht, sondern sind MENSCHLICH.

Hattest du Vorbilder im Kabarett?
Ich bewundere jene Bühnenmenschen, die es schaffen, eine große emotionale Bandbreite zu transportieren. Wenn das Publikum in einer Vorstellung vom Lachen und Toben ins Nachdenken, Mitfühlen oder ins Weinen finden kann, ist das für alle ein großes Geschenk.

Wie gehst du persönlich mit dem Älterwerden um?
Mit dem Bewusstsein, dass ich immer Liebe und Respekt verdient habe, ganz besonders dann, wenn sich mein Äußeres mit den Jahren verändert und sich mein Inneres mit Erfahrungen füllt.

Schönheit – was ist das für dich: ein Ideal, ein Gefühl oder einfach nur gutes Bühnenlicht?
Schönheit ist für mich etwas sehr Subjektives, das sichtbar wird, wenn man etwas oder jemanden durch liebende Augen betrachtet.

Wenn dein Leben ein Cocktail wäre, welche Zutaten beinhaltet er?
Zu gleichen Teilen Lebensfreude, Lachen, Liebe, Kreativität und Chaos, hoffentlich immer gerührt und nur selten geschüttelt. ◻


Interview: Christian König | Foto: Caroline Piller