Klimawandel als Chance: Neue Möglichkeiten für die Ennstaler Landwirtschaft
Das Ennstal erlebt derzeit einen Wandel in der Landwirtschaft – dieser birgt neben Herausforderungen auch große Chancen. Steigende Temperaturen und veränderte Wetterbedingungen eröffnen neue Perspektiven. Forschungseinrichtungen wie die HBLFA Raumberg-Gumpenstein sowie engagierte Betriebe der Region gehen dabei mit gutem Beispiel voran.
Traditionell ist der Bezirk Liezen von Grünlandwirtschaft und Viehhaltung geprägt. Doch mit dem Klimawandel verändern sich auch die Möglichkeiten auf den Feldern. Kulturen, die früher nur in wärmeren Regionen denkbar waren, finden mittlerweile auch im inneralpinen Raum geeignete Bedingungen. Dadurch entstehen neue Wege, die regionale Landwirtschaft breiter aufzustellen und zusätzliche Einkommensquellen zu schaffen.
Pionierarbeit im Ennstaler Weinbau
Im Gumpensteiner Weingarten wächst die Sorte Muscaris, dazwischen bieten Salbei, Flockenblumen und Nelken Lebensraum für Bestäuber.Ein besonders sichtbares Zeichen dieses Wandels ist der Gumpensteiner Weingarten, der im Mai 2023 angelegt wurde. Auf rund 500 Quadratmetern wachsen Reben der Sorte Muscaris. Die pilzwiderstandsfähige Weißweinsorte gilt als robust gegenüber extremen Wetterbedingungen – ideale Voraussetzungen für den Anbau im Ennstal.
Das Projekt, das gemeinsam mit der Weinbauschule Silberberg umgesetzt wird, verbindet Landwirtschaft und Naturschutz. Besonderes Augenmerk liegt auf der Begrünung zwischen den Rebzeilen: Heimische Wildblumen wie Wiesen-Salbei, Flockenblumen oder Nelken schaffen wertvollen Lebensraum für Bienen und andere Bestäuber.
Alte Sorten feiern ihr Comeback
Doch nicht nur neue Kulturen gewinnen an Bedeutung – auch traditionelle Sorten erleben eine Renaissance. Ein Beispiel dafür ist der Tauernroggen, der bis in die 1960er-Jahre das wichtigste Getreide im Ennstal war. Diese historische Landsorte wurde von der HBLFA aus der Genbank in Linz geholt und erfolgreich vermehrt.
Ziel ist es, den Roggen wieder verstärkt anzubauen und damit regionale Spezialitäten wie die Ennstaler Steirerkrapfen mit heimischem Mehl herzustellen. Projekte wie „Ennstal-Mehl“ verbinden dabei lokalen Ackerbau mit kulinarischer Tradition und stärken gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
Vielfalt als Erfolgsmodell
Die Landwirtschaft wird vielfältigerWie erfolgreich neue Wege bereits heute sein können, zeigen innovative Betriebe in der Region. Der Goschnhof setzt auf eine breite Produktpalette – von Gemüse und Kartoffeln über Säfte bis hin zu Edelbränden und Teigwaren. Durch Veredelung, Vielfalt und Direktvermarktung entstehen attraktive Nischenprodukte mit hoher regionaler Identität. Der Blick auf die Felder rund um Raumberg-Gumpenstein und auf die Produkte regionaler Betriebe macht deutlich: Die Landwirtschaft im Ennstal wird vielfältiger, nachhaltiger und innovativer. Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen – doch viele Betriebe nutzen diese Entwicklung bereits aktiv als Chance, um neue Wege zu gehen und die Region zukunftsfit zu machen. ◻
Text und Fotos: Wilhelm Graiss, HBLFA Raumberg-Gumpenstein
